Stilldauer

Stellungnahme zur Stilldauer

Bei der Frage nach der „optimalen Stilldauer“ kommen biologische, kulturelle und nicht zuletzt individuelle Aspekte zum Tragen. Allein schon die Tatsache, dass so verschiedenartige Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssen, macht deutlich, dass es keine allgemeingültige Antwort oder gar Empfehlung hinsichtlich der Stilldauer geben kann. In Deutschland ist im Mutterschutzgesetz festgelegt, dass eine erwerbstätige, stillende Mutter während ihrer Arbeitszeit Anspruch auf bezahlte Stillzeiten hat (1). Das Gesetz enthält keine Angabe dazu, bis zu welchem Alter des Kindes dieser Anspruch gilt. In einer Reihe von Durchführungsverordnungen und Gerichtsurteilen wurde eine Altersbegrenzung für den Anspruch auf bezahlte Stillzeiten ausgesprochen. Diese Begrenzung bezieht sich jedoch ausschließlich auf die arbeitsrechtliche Situation und nicht auf das Stillen als solches. Gesetzliche Regelungen außerhalb des Mutterschutzgesetzes gibt es in Deutschland weder zum Stillen allgemein noch bezüglich der Stilldauer. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt auf der Grundlage von Studien zur kindlichen Entwicklung, in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen, das heißt, keine andere Nahrung oder Flüssigkeit außer Muttermilch (es sei denn dies wäre medizinisch indiziert), und anschließend neben geeigneter Beikost weiter zu stillenbiszum Alter von zwei Jahren und darüber hinaus (2). Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) empfiehlt eine mindestens einjährige Stillzeit für alle Kinder und ergänzt, dass das Stillen darüber hinaus solange fortgesetzt werden soll, wie Mutter und Kind dies wollen. In der 2005 von der AAP veröffentlichten Verlautbarung „Breastfeeding and the Use of Human Milk“ wird auch darauf hingewiesen, dass es keine Obergrenze für die Stilldauer gibt (3). Anthropologische Forschungen ergaben Hinweise darauf, dass das natürliche Abstillalter beim Menschen zwischen 2,5 und 7 Jahren liegt (4). Als Stillorganisationen in Deutschland sehen wir es als unsere Aufgabe an, jede Familie dabei zu unterstützen, so lange zu stillen, wie es ihren individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten entspricht.

 

Denise Both für die La Leche Liga Deutschland (LLLD); Utta Reich-Schottky für die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) Oktober 2009

1 Mutterschutzgesetz (nach der Änderung vom 20.12.1996) Bundesgesetzblatt I S. 2110

2 WHO: Infant and Young Child Feeding. Model Chapter for Textbooks for Medical Students and Allied Health Professionals. Savage King F, Da Cunha A, Lang S, WHO 2009: 13-14

3 Gartner LM, Morton J, Lawrence RA, Naylor AJ, O’Hare D, Schanler RJ, Eidelman AI; American Academy of Pediatrics Section on Breastfeeding. Breastfeeding and the use of human milk. Pediatrics. 2005 Feb; 115(2):496-506.

4 K.A. Dettwyler: When to Wean: Biological Versus Cultural Perspectives. Clinical Obstetrics and Gynecology, 2004, Band 47, Heft 3, S. 712-723

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